Haptonomie

- Was genau mache ich da eigentlich? -

 

Schon im letzten Artikel habe ich öfter den Begriff "Haptonomie" fallen lassen. Und auch in Gesprächen mit anderen kommt immer mal wieder die Sprache darauf. Die Reaktionen sind unterschiedlich: Die meisten schauen mich nur verwirrt an und fragen "WAS machst Du?". Wenn ich dann versuche, es zu erklären, kommt oft: "Und um Dir die Hände auf den Bauch zu legen und mit Deinem Kind zu reden, brauchst Du 'n Kurs?"

 

Das mag alles daran liegen, daß Hapronomie fast unmöglich zu erklären ist. Weil sie erfühlt werden muß. Ich will es trotzdem - ansatzweise - versuchen.

 

Der Begriff kommt aus dem Griechischen. "Hapto" stammt von "haptein" und bedeutet "ich berühre", aber auch "ich nehme Kontakt auf". Und "nomos" bedeutet "Gesetz, Regel, Lehre". Übertragen bedeutet Haptonomie also die "Lehre von der Affektivität" - oder vom menschlichen Gefühlsleben. "Erfunden" wurde die Haptonomie von dem Holländer Frans Veldmann. Haptonomie ist keine Heilmethode oder Therapie, sondern eine Art, sich einander zu nähern, die in Therapien, Pflege und Bereiche des menschlichen Lebens integriert werden kann.

Wir machen also haptonomische Schwangerschaftsbegleitung.

 

Haptonomie ist nicht zu vergleichen mit einem Geburtsvorbereitungskurs, und es ist auch ganz anders als Schwangerschaftsyoga oder andere Entspannungtechniken. Es hat damit zu tun, daß man erkennt - und erfährt, daß dieses ungeborene Leben schon längst ein eigenstädiges Wesen ist, mit eigenem Willen und eigenem Gefühl. Es hat damit zu tun, daß man wieder in sich hinein zu lauschen lernt, daß man lernt, bewußt mit seinem Kind zu sein - und zwar Mutter und Vater. Es willkommen zu heißen und ihm das Gefühl zu geben, willkommen zu sein.

 

Eine haptonomische Stunde läuft immer zu viert ab: Mutter, Vater, das Ungeborene und der/die haptonomische Begleiter/in. Kurse mit mehreren Paaren gibt es nicht, sie würden dem haptonomischen Prinzip entgegenlaufen. Die Haptonomie-Begleiterin legt dann die Hände des Vaters auf meinen Bauch und fängt an, mit dem Neugeborenen zu sprechen. Sie zeigt uns, wie wir in Kontakt treten können mit dem Kind, wie wir es erfühlen können, und wie wir es einladen können, von Papas linker Hand in seine rechte zu wandern. Ich weiß, das klingt reichlich skurril, und in der ersten Stunde dachte ich immer wieder "Was soll das denn jetzt?" Aber dann spürte ich wirklich, wie unser Baby sich zu Papis Hand hin bewegte, wie es reagierte und sich in seine Handfläche regelrecht einkuschelte. Und der vater konnte es ebenso spüren wie ich.

 

Es geht aber nicht einfach darum, die Hände auf meinen Bauch zu legen und ian mein Kind zu denken, sondern um viel mehr. Es geht darum, bei meinem Kind zu sein, dem Kind schon vor der Geburt das Gefühl zu geben, gewollt, wichtig, geliebt zu sein. Mittlerweile hatten wir zwei Stunden und haben zu Hause oft die Übungen praktiziert, und wir können beide spüren, wie sehr sich unser Kind auf den Kontakt mit uns freut, wie gern es mit uns spielt und kommuniziert.

 

Und auch für mich als Schwangere ist die Haptonomie eine ungeheure Erleichterung. Bevor wir die erste Stunde hatten (Da war ich in der 24. Woche) begannen bei mir Probleme mit einem harten Bauch. Mittlerweile weiß ich: Wenn der Bauch hart wird, fühlt sich das Baby einsam. Wenn ich dann meine Hände auf den Bauch lege und Kontakt aufnehme, wird der Bauch wieder weich. Nach einer Stunde fühlt er sich viel leichter an, weich und warm. Ich halte mich anders, und der werdende Papa lernt, mir zumindest zeitweise einen Teil des gewichts abzunehmen. Das tut auch meinem Rücken unendlich gut.

 

Soviel kann ich nach zwei Stunden zumindest sagen. Daß Haptonomie auch bei der Geburt Erleichterung bringt, daß haptonomisch begleitete Kinder anders sind, zutraulicher, sicherer, das kann ich alles noch nicht beurteilen. Aber ich halte Euch auf dem Laufenden, wie es mit meiner Haptonomie weiter geht! :)

 

Links zur Haptonomie:

Haptonomie.org Eine offizielle Seite eines Verbandes, wo viel beschrieben ist.
Bericht einer Mutter Ein sehr ausführlicher Bericht einer Mutter über Haptonomie.
Haptonomie.com Das wissenschaftliche Institut für Haptonomie.

 

Kontakt:

Internationales Zentrum zur Forschung und Entwicklung der Haptonomie
Vertretung in Deutschland (eine Liste seriöser Haptonomie-Begleiter in D kann bei ihm oder über die obigen Links angefragt werden):

Dr. Med. Medhi DJALALI

Bastionstr. 33

40213 Düsseldorf

Tel. : 0211/83.69.005

 

(c) Nike Oehme, 12.03.03